Objekt

Neubau Wohn- und Geschäftshaus, Unionsgasse 18, 2502 Biel (BE)

Jahr

2019

Wettbewerbsveranstalter

Privat, Stadt Biel

Nutzung/Raumprogramm

Verkaufsflächen und Wohnungen

Wettbewerb/Rangierung

3. Preis

 

Auszug Jurybericht

Eine genaue Analyse des Städtebaus und der Typologie und Architektur der bestehenden Bausubstanz bilden die Grundlage einer differenzierten Lesart, die den Entwurf auf allen Ebenen prägen und diesen nachvollziehen lassen. Die Unionsgasse wird als Hauptseite weitergebaut mittels einer Wiederholung einer weiteren giebelständigen Fassade und das Vorderhaus mit dem Hinterhaus zusammenbindet und aufwertet. Die Asymmetrie des neuen Giebels soll auf die Höhe der Bebauung der Neustadt hinweisen. Eine mögliche wenn auch leicht erzwungene Massnahme. Problematischer ist der baugesetzliche Verstoss der Gebäudehöhe, das vierte Obergeschoss müsste eine geringere Kniestockhöhe aufweisen und die Volumetrie müsste dadurch im Dachbereich verändert werden.

 

Die Fassade entlang der Molzgasse zeigt sich komplett anders als wohnliche offene Fassade und karikiert die Lochfassade entlang der Unionsgasse. Dieser komplette Wechsel der Fassade irritiert, ist aber in der Haltung konsequent und folgt der Logik der städtebaulichen Lesart. In der Jury wird die Wirkung im Stadtbild der komplett unterschiedlichen Fassaden kontrovers diskutiert.

 

Das Sockelgeschoss wird als solches betont und wirkt mit seiner Ladenfassade und dem dazugehörigen Eingang angemessen städtisch, gleichzeitig wird der Anbau als selbstverständliche Erweiterung grosszügig integriert. Mit einer Eckmarkierung in Form eines gedeckten Aussenraumes wird der Abschluss des Gebäudekomplexes massstäblich geschickt artikuliert und lenkt raffiniert zum Eingang der Wohnungen in der Malzgasse.

 

Auch die Materialisierung folgt der vielschichtigen Konzeption und ist schlüssig und insbesondere in der gewählten Art der Farbigkeit und Texturierung des Betons entlang der Unionsgasse stimmig umgesetzt.

 

Die neue innere Erschliessung überzeugt als Gelenk der unterschiedlichen Gebäudeteile und Geschossebenen. Die Grundrisse sind sorgfältig durchgearbeitet und attraktiv. Unterschiedliche Zirkulationsmöglichkeiten und vielseitige Ausrichtungen relativieren die Enge von Wohnungen im dichten Stadtgefüge. Ein kleiner Innenhof bietet zusätzlich eine Möglichkeit eines Gemeinschaftsortes. Nicht ganz zu überzeugen vermag die kleine Loggia in den oberen Wohnungen. Insgesamt handelt es sich beim vorliegenden Entwurf um einen präzisen und eigenständigen städtebaulichen Beitrag und bietet eine komplexe Antwort auf die Frage des innerstädtischen Wohnens.